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Wir brauchen hier kein Superhirn

Der Norden hat seine Geheimnisse (und auch noch ein paar Fensterscheiben)

Der Norden hat seine Geheimnisse (und auch noch ein paar Fensterscheiben)

Es war lange fällig, dass wir etwas Genaues über das Kindheitstrauma der Rostocker Polizeiruf-Kommissarin König erfahren, bis jetzt waren es nur Andeutungen, jetzt aber wissen wir: Die kleine Kathrin floh mit ihrer Mutter übers Meer aus der DDR nach Westen, sie ließ ein rotes Köfferchen, das ihr Ein und Alles war, fallen, die Mutter wollte den Koffer retten und ertrank. Und nun, wieder in der Gegenwart, tröstet Kommissarin König die kleine Franzi, die sich eine Schuld am Tod ihrer Mutter gibt, und schärft ihr ein, dass kleine Kinder immer unschuldig sind. Immer immer immer. So kunstvoll, mögen die Rostocker Krimi-Macher denken, werden bei uns Vergangenheits- und Gegenwartshandlung miteinander verschränkt. So kunstvoll, dass uns Zuschauern dieses Betuliche eher lästig ist.

Kriminalhauptkommissar Bukow, ihr Kollege, ist ein prolliger Typ, hat aber das Herz auf dem rechten Fleck. Er kommt uns auch entgegen als wunderbarer Kinderversteher. Wie macht er das? Indem er den Kindern immer das Indianer-Ehrenwort abnimmt und es ihnen seinerseits auch gibt. Das Indianer-Ehrenwort ist ein uralter ostdeutscher Filmtopos, den könnten wir uns bald mal abgewöhnen. (Ich glaube auch nicht, dass Kinder darauf noch anspringen. Eher auf Softwareentwickler-Ehrenwort oder Model-Ehrenwort oder so). Die Rostocker Polizisten protzen gern mit ihren Schusswaffen, mit denen sie sich für jedermann sichtbar behängen, was heißen soll: Leute, bewundert uns mal, hier kann’s jeden Augenblick knallen. Die beiden jüngeren Semester des Kommissariats wirken so, als seien sie die Restmasse der sieben Zwerge. Es geht in diesem Krimi um universitäre Laufbahnen und um Edelprostitution, ebenfalls kunstvoll ineinander verschränkt. Julia hatte eine vielversprechende Karriere vor sich, sagt ein Prof, extrem begabt.  Und Bukow poltert raus: Der weiß, dass seine Frau Nutte war. Der weiß das.

Langsam kommen wir dahinter, dass uns der Rostocker Polizeiruf zeigen will: Auch schlichte Gemüter sind sehr wohl in der Lage, Verbrechen aufzuklären. Superhirne haben wir hier im Norden gar nicht nötig.

Einen Satz gab es, der mir gut gefiel. Frau König zu Herrn Bukow: Fragen Sie mich bitte nicht alle zehn Minuten, ob alles okay ist. Okay?

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