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Ein Muster der Vergeblichkeit

Ich hatte Pech. Ich war nicht müde. Ich konnte mir das Endspiel des Confed-Cup ansehen. Brasilien gegen Spanien. Gastgeber und Rekordweltmeister gegen den aktuellen Welt- und Europameister. Man hätte sich diese klare Niederlage Spaniens vielleicht besser ersparen sollen, denn natürlich unterlag hier der schönere, durchdachtere dem wuchtigeren, ich könnte auch sagen, dem gewaltbereiteren Fußball, aber es ist wichtig, sowas von Anfang bis Ende zu sehen und zu erdulden. Man hatte sich gerade mal umgedreht, da stand es schon 1:0. Ein Slapstick-Tor. Der Ball sprang als unberechenbares Objekt zwischen vier stürzenden Körpern herum, und es war dann einfach der beste Maulwurf von den vieren, der den Ball gewissermaßen unterirdisch ins Tor beförderte. (Uns hat man früher noch gesagt, dass man im Liegen nicht weiterspielen dürfe.) Dieser beste Maulwurf war der Brasilianer Fred, ein Mann, der gut und gern in deutscher Fernsehunterhaltung den Latin Lover spielen könnte. Spanien im Rückstand – wann kommt das schon mal vor! Es lief dann so: Brasilien spielte die Fouls, Spanien kassierte die gelben Karten, und Bela Rethy vom ZDF forderte Rot. Es ist eine große Sehnsucht in ihm, die Akteure auf dem Platz in seiner gemütlichen Reporterkabine noch zu übertreffen, eine sehr sportliche, aber noch mehr absurde Haltung. Da er nun schon so lange dabei ist, der gute Bela, glaubte er immer, zu jeder halben Spielsituation eine ganze Theorie liefern zu können, was ihn unweigerlich zum Totalopportunisten macht. Er ist jederzeit bereit, dem vermeintlichen Sieger in den Arsch zu kriechen, und wenn das Blatt sich zu wenden scheint, dann macht es ihm auch nichts aus, dem Gegner in den Arsch zu kriechen, wobei er so tut, als hätte er es schon immer gewusst.

Für Spanien lief es, mit dem frühen Gegentor angefangen, denkbar schlecht. Pedro hat die klarste Chance des Spiels, will aber den Ball allzu elegant um Julio Cesar herumschlenzen, so dass der Innenverteidiger David Luiz den Ball noch von der Linie kratzen kann. Wenig später steht es statt 1:1 dann 0:2. Kam Neymar nicht aus dem Abseits? Egal. Das passiert kurz vor Ende der ersten Halbzeit. Und kurz nach Beginn der zweiten bereitet die Wühlmaus Marcelo mit einer seiner Wühleinlagen das 3:0 vor. Den Elfmeter für Spanien, den ich allerdings auch nicht gegeben hätte (wahrscheinlich eine Kompensation des Schiedsrichters) setzte Ramos geistesabwesend neben den Pfosten.

Nehmen wir das Positive. Dies war das aufrüttelnde Spiel, das Spanien veranlassen muss, sich konsequent mit dem Begriff brotlose Kunst auseinanderzusetzen. Im verdichteten Strafraum wirkt das Kurzpassspiel wie ein bleibendes Muster der Vergeblichkeit. Man muss sich Gedanken machen um das Anforderungsprofil des Spielers, der bei Spanien in vorderster Linie spielt. Wer da spielt – die Frage ist immer noch offen. Einer wie Torres? Einer wie Villa? Einer wie Fabregas? Oder ein ganz anderer? Frisches Blut? Die Spanier haben sich ein System zu Eigen gemacht, das die Leidenschaft weitgehend aus dem Spiel nimmt. Die Fähigkeit, auch mal zu explodieren, muss wiederbelebt, die Frage beantwortet werden, woher die Ideen kommen, wenn Iniestas Ideen nicht aufgehen. Wir wissen jetzt in etwa, was mit dieser Fußballweltmeisterschaft auf uns zukommt. Es gibt viel zu tun. Auch für uns Zuschauer. Wir spielen ja immer mit.

Noch ein Wort zu Neymar. Er scheint zu glauben, dass zu einem jungen Supertalent auch die hysterischen Flugeinlagen eines alten Knattermimen gehören. Gibt es niemandem in seinem Umfeld, der ihm erläutern könnte, dass das ganz, ganz falsch gedacht ist?

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