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Verlängerung. Niederlage. Nicht so schlimm

Nicht die Bücher, das Geld erdrückt den Fußball. Die Bücher wollen nur witzig sein.

Nicht die Bücher, das Geld erdrückt den Fußball. Die Bücher wollen nur witzig sein.

Gut. Ich hab mich beruhigt, wenn ich nicht ohnehin ruhig war. Die Hansa-Junioren sind nicht Deutscher Meister geworden. Mit dem Gewöhnlichen wurde schon gerechnet, auch wenn zuvor Ungewöhnliches geschah. Und es hätte wieder geschehen können, das Ungewöhnliche. Nachdem die Rostocker Fußball-A-Junioren die Bälle 90 Minuten lang mit stoischer Ruhe und schneller Geistesgegenwart aus ihrem Strafraum gedroschen hatten, stand in der Nachspielzeit Marc-Oliver Köller, ein Fischkopp aus Schwerin, plötzlich frei vor dem Wolfsburger Tor und traf den Ball nicht richtig. Das heißt, er haute drüber, nur mit der Wade wurde der Ball noch ein wenig berührt und rollte in Richtung Torwart. Aber so ist auch schon manches Tor gefallen, der Keeper wirft sich in Richtung des vermeintlichen Schusses und der Ball trudelt in seinem Rücken über die Linie. Dann kam die Verlängerung. Ein blödes Gegentor. Kurz danach noch ein Elfmeter. Am Ende 1:3. Nicht so schlimm.

Den Wolfsburgern ist ihr Erfolg zu gönnen. Ein Klasse-Junioren-Team, keine Frage, sehr selbstbewusst und abgezockt. Haben von den Bayern-Profis (neuerdings: den Triplern, man erwägt, den FC Bayern München umzubenennen in FC Triple München; ist halt sehr stolz) gelernt, sich dramatisch fallenzulassen, wenn sie spüren, dass ein Zweikampf verloren geht. Dann kriegen sie einen Freistoß. Bei den Hansa-Junioren klappt das nicht, da lässt der Schiedsrichter weiterspielen. Wolfsburg bezieht seine Qualität aus dem Kraftzentrum im Mittelfeld, Julian Brandt und Maximilian Arnold kurbeln das Spiel an, geben die Pässe und sind auch selbst torgefährlich. Man weiß nicht, was geschehen wäre, wenn die Rostocker etwas früher die offene Feldschlacht gewagt hätten, denn, wie man gelegentlich sah, können sie auch offensiv mehr, als sie sich oft zutrauen. Ein Lichtblick in der trüben Fußball-Saison ist diese Mannschaft auf jeden Fall.

Ich sage trübe Saison wegen der Vorhersehbarkeit, wegen des selektiven Zustands der Tabelle, wegen der unüberwindbaren Klassengegensätze. Bayern München, die immer Meister werden müssen, der BVB, der das eventuell auch mal verhindern kann, die drei, vier Mannschaften, die sich eventuell für die Champions League qualifizieren können, das gehobene Mittelfeld, das Chancen für die Europa League hat und mit dem Start in derselben vermutlich überfordert sein wird, und die ewigen Abstiegskandidaten. Und die Mannschaft, die für eine echte Überraschung sorgt, in dieser Saison der SC Freiburg, wird anschließend gnadenlos leergekauft. Wenn das nicht deprimierend ist.

Das Geld, sagte Nick Hornby in einem Interview für die „Zeit”, „nimmt jeglichen Wettkampf aus einem Turnier. Wer wird nächstes Jahr Meister in Frankreich, Deutschland, England, Spanien? Es ist langweilig.” Auf den Verein seines Herzens, Arsenal London, bezogen, stellt er fest, er habe „eine ganze Saison lang eine Mannschaft gesehen, die das Spiel dominierte, keine Tore schoss und am anderen Ende zwei reinließ, weil die Abwehr unfähig war”.

So muss wohl der Fußball über kurz oder lang viel von seiner Faszination verlieren.

Literatur und Fußball scheinen sich übrigens nicht zu mögen. Oder nicht zusammen zu funktionieren. Weil der Fußball weltweit eine bedeutende Marke ist, gibt es dennoch zahllose Fußballbücher. Die sind auch alle langweilig. Ich mag nur zwei. Dazu demnächst vielleicht mehr.

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