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Wer sagt denn hier noch Augenschmaus

Die Sportreporter sind der Action auf dem Rasen und anderen Belegen nicht mehr gewachsen.  Wenn ich lese, was nach dem DFB-Pokalfinale in den Zeitungen steht, fällt mir der Unterkiefer runter. Ich nehme nur die FAS, die schon mal glaubt, dass sie was Besseres ist, was ja – bei allen Einschränkungen – auch stimmt. „Besser geht’s nicht”, wird da getitelt, und dann gleich noch: „Der FC Bayern München kann den Spielbetrieb einstellen, besser wird es nicht mehr … Die Konkurrenz wäre froh, die Bayern los zu sein, aber die Fußballfreunde würden um die vielleicht größte Attraktion kommen, die der deutsche Klubfußball je hatte …, die Art und Weise wie das Team von Triumph zu Triumph eilte, übertrifft alles, was in den vergangenen Jahren zu sehen war …, eine Mannschaft, die Leidenschaft, Esprit, Disziplin, Spielvermögen und taktisches Geschick so perfekt miteinander verband, gab es noch nie.”

Bayern München gegen den VfB Stuttgart – ich muss wohl ein anderes Spiel gesehen haben. Die Sportreporter und Kommentatoren hätten genug zu tun, wenn sie versuchten, das Phänomen zu erläutern, wieso eine Mannschaft, die keineswegs über außergewöhnlich viel Leidenschaft, Esprit und Variabilität verfügt, mit einem derart großen Abstand die Meisterschaft erringen kann wie eben die Bayern. Das wäre ein interessantes Thema, über das nachzudenken sich lohnen würde. Die Bayern sind zäh, sind fit, sind selbstbewusst bis überheblich, sie bevorzugen ein einfaches Spiel (das Einfache, das schwer zu machen ist) über die Flügel, und sie haben dann einen Mittelstürmer (Mandzukic oder Gomez) und einen Irrationalisten (Thomas Müller) im Strafraum, die für Gefahr und Effektivität sorgen. Siehe das Endspiel gestern. Flanke in den Stuttgarter Strafraum von rechts, alle Räume sind gut zu verteidigen, aber da kommt ein Wanderer des Wegs (Mario Gomez), stolpert mehr über den Ball, als dass er ihn trifft, und das Ding ist irgendwie drin, Gomez selbst hat es wohl kaum bemerkt. Während der VfB in der ersten Halbzeit eine tolle Chance hatte: Der Ball trifft Torwart Neuer, schickt sich von da an, über die Linie zu trudeln, Neuer bringt seinen Körper zwischen Ball und Fernsehkamera, kein Mensch kann wissen, ob der Ball die Linie nicht doch überschritten hat, doch, der Reporter weiß es, im Zweifel haben die Bayern nämlich immer recht. „Als der Widerstand des Gegners erlahmte, begannen sie (die Bayern natürlich) zu zaubern, dass es ein Augenschmaus war.”  Herrschaften! Wer spricht heute noch so! Da kann man nur sagen, dass sich die Sprache dem Hohltöner auf erhabene Weise verweigert.

Ich würde nicht behaupten, dass die knappen Siege der Bayern gegen Stuttgart (3:2) und gegen Dortmund (2:1) am Ende nicht verdient waren. Siege sind immer verdient, es sei denn der Schiedsrichter hat sich allzu verdient gemacht. Aber aus dieser Saison nun ein Heldenepos zu machen, die Geschichtsbücher aufzuschlagen, absolute Überlegenheitsgefühle und Herrenfußballer-Status abzuleiten – von dergleichen möchten wir unbedingt verschont werden.

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