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Was war das überhaupt für einer, Paustowskij

In einem anderen Land

In einem anderen Land

Ich erinnere mich, dass Konstantin Paustowskij der erste sowjet-russische Dichter war, von dem man bei uns schwärmte. Es gab das Buch „Die goldene Rose”, und davon sprach man in höchsten Flötentönen. Viel später sah und kaufte ich das Buch, habe es aber nicht gelesen, es war im Dietz Verlag erschienen und auf dem Umschlag waren unter einer verschnörkelten Schreibschrift tatsächlich eine goldene Rose und ein Federhalter mit einer goldenen Feder abgebildet. Dieser Umschlag hielt mich davon ab, das Buch zu lesen, ich war so und bin wahrscheinlich immer noch so. Dann, 1985, erschien im Verlag Volk und Welt das erste Paperback der Reihe ad libitum Sammlung Zerstreuung, ein Journal der Weltliteratur, der erste Beitrag war ein Text von Daniil Granin, er schrieb über Paustowskijs „Europäisches Tagebuch”, das er in der Zeitschrift „Smena” entdeckt hatte. Paustowskij schrieb darin über eine Kreuzfahrt, an der auch Granin teilgenommen hatte, sie lag 25 Jahre zurück. Unter den mitreisenden Dichtern war Pautsowskij der Alte, der Arrivierte, auch der Eigenbrötler, ein „kleiner,zerfurchter Mann”. Granin und seine Generationsgefährten achteten ihn, aber sie taten es auf eine etwas hochmütige Weise, die Schriftsteller der neuen Zeit waren sie, harte Realisten, während sie Paustowskij für altmodisch hielten, seine Prosa für romantisch, sentimental, allzu wortreich. Sie registrierten Paustowskijs Unbeweglichkeit. Während der unter dem Sonnenschirm eines Straßencafés in Athen hockte, rasten die anderen mit ihren Fotoapparaten durch die mythische Stadt, das Zentrum, die Geschäftsstraßen, die Villenviertel, die Boulevards. „Ich besichtigte alles, was auf dem Stadtplan mit einer Zahl gekennzeichnet war”, schreibt Granin. Für Paustowskij in seinem Café empfand er nur Mitleid. Später erzählte Paustowskij, was er, festgenagelt auf seinem Kaffeehausstuhl, gesehen hatte. Das Liebespaar am Nebentisch (ein Chinese und eine Mulattin), Dominikanermönche, eine Prügelei zwischen Straßenkids und einem Schwammverkäufer … „Seine Geschichten fanden kein Ende”, wundert sich Granin. „Dieses Erlebnis vermittelte mir eine durchaus nicht primitive Weisheit: dass man sehr vieles von einem einzigen Standort aus erleben kann. Eine Reise ist nicht gleichwertig mit Kilometerfresserei. Wir glauben, mehr zu erfahren, wenn wir in Bewegung sind, aber man kann auch allerhand von einem fremden Land erkennen, indem man ein paar Stunden in einem Straßencafé sitzt.”

Paustowskij offenbarte einen Stolz, den Granin bewunderte. Die „Iswestija” hatte sein Buch „Ferne Jahre” verrissen. Paustowskij schrieb eine Entgegnung. Sie wurde nicht gedruckt. Später rief der Chefredakteur an und bedauerte. Der Artikel war von falschen Tatsachen ausgegangen. „Sie beleidigen mich öffentlich und entschuldigen sich privat”, erwiderte Paustowskij. „Ich nehme Ihre Entschuldigung nicht an.” In einer Hitliste genialer Antworten könnte diese weit vorne stehen.

Die Problematik seiner Art zu schreiben war Paustowskij schon in jungen Jahren bewusst. „Damals warf ich malerische, niemanden interessierende Studien aufs Papier, denen eine konsequente Durchführung noch fehlte, aber sie waren schon mit leichter Hand geschrieben und voller Phantasie … Aber echte Phantasie verlangt in der Darstellung Schärfe und klare Umrisse. Doch das gelang mir selten, die Bilder blieben verschwommen, und ich mühte mich auch gar nicht, Phantasie und Wirklichkeit in Einklang zu bringen, und ich vergaß das rauhe Leben … Ich versuchte verbissen, mich von dieser nebelhaften und blumigen Schreibweise zu befreien, aber es gelang mir nicht immer.” („Der Beginn eines verschwundenen Zeitalters”, Die Andere Bibliothek)

  1. Juni 4, 2013 um 12:18 am

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