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Die Wunden fest geschlossen

Als hätte man’s gewusst

Als hätte man’s gewusst

Das Erwartete trat nicht ein. Das Erwartete wäre gewesen, dass die Münchner Bayern den – nach dem Wegkauf von Mario Götze und den Gerüchten um Robert Lewandowski, Ilkay Gündogan und Mats Hummels – verunsicherten BVB an die Wand spielen und etwa 5:2 siegen, wie der BVB gegen den FC Bayern im letzten DFB-Pokalfinale. Stattdessen jagten die Dortmunder den Bayern gnadenlos den Ball ab, dominierten das Spiel, kamen zu Chancen – 25 Minuten lang. Grandioses Spiel – kein Tor. Da lag vielleicht schon der Grund für die knappe Niederlage. Die Bayern, eher hilflos in ihre Hälfte gedrängt, mussten sich mehr und mehr  für unverwundbar halten. Wenn die Dortmunder bei diesem Ansturm zwei Tore gemacht hätte (oder wenigstens eines) hätte ihre Rechnung aufgehen können. Nun kamen die Bayern zu Chancen, und Roman Weidenfeller, der nie ein Länderspiel gemacht hat, hielt mindestens ebenso großartig wie auf der anderen Seite Manuel Neuer. Zweimal stand Robben frei vor ihm – einmal aus unerfindlich Gründen und einmal, weil Mats Hummels wieder mal ein Klops unterlief (ein unkontrollierbarer Ball tanzte auf ihm herum, fiel von seinem Rücken Robben vor die Füße).

Die Dortmunder haben gelernt, gegen Robben und Ribery zu verteidigen, sie taten das eindeutig besser als etwa Barcelona. Ribery wurde nervös und schlug Lewandowski ins Gesicht. Die rote Karte hätte ich allerdings auch nicht gegeben, weil der Pole vorher heftig geklammert hatte, ebenso wie auch Lewandowski später zu Recht kein Rot sah – wie sollte er sich denn aus der Umklammerung des ungestümen Boateng befreien, er musste ja irgendwie seinen Fuß aufsetzen.

Trotz allem wurde Robben zum entscheidenden Spieler des Matches. Eines der beiden Wusel- und Duseltore der Bayern schoss er selbst, das andere bereitete er vor. Und es war symptomatisch, dass er da nicht von seiner gewohnten rechten Seite kam, sondern einmal von links und einmal aus der Mitte. Er hat eine Art, sich körperlich in den Gegenspieler hineinzuarbeiten und an ihm vorbei, die irgendwann die Lücke schafft. Und wenn er nicht seinen gewohnte Zug von rechts außen die Mitte macht und mit links abzieht, dann ist er schwer auszurechnen (auch für sich selbst).

Die Dortmunder waren gute Verlierer. Mats Hummels hatte gewiss Recht, wenn er sagte, dass sie schließlich etwas müde waren. Da sind die Fehler unvermeidlich. Auf jeden Fall haben sie in diesem Spiel den 25-Punkte-Vorsprung der Bayern aus der Meisterschaft auf beeindruckende Weise weggespielt. Von einer Dominanz der Bayern war nichts zu sehen. Nirgends. Und haben sie wirklich die besseren Einzelspieler? Ist Neuer besser als Weidenfeller? Dante besser als Hummels? Schweinsteiger besser als Gündogan? Mandzukic besser als Lewandowski? Mit solchen Behauptungen soll man vorsichtig sein.

Vergessen wir den aufgeregten Unsinn, den Matthias Sammer in letzter Zeit ständig von sich gibt. Gratulieren wir den Bayern dazu, dass sie endlich ihre Wunden schließen konnten. Wir haben ein hochklassiges, intensives, dramtisches Spiel gesehen. Danke dafür. Und raten wir den Bayern, dass sie sich nicht allzu sehr in den Rekorden sonnen, die sie in dieser Saison angeblich aufgestellt haben. Im Fußball geht es um Tore und um Punkte, nicht um Rekorde. Rekorde im Fußball sind nur eine von als Sportredakteuren getarnten Statistikern erfundene Masche, die zu dem Spiel an sich nicht viel zu sagen wissen.

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