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Trauer muss der Sieger tragen

„Sie standen an den Hängen und Pisten …” Die Gleichstellungsbeauftragte der Bundesregierung hat die Entwicklung eines Urinal für weibliche Fans in Auftrag gegeben zwecks Vermeidung von Geschlechterdiskriminierung

„SIE  STANDEN AN DEN HÄNGEN UND PISTEN …” Die Gleichstellungsbeauftragte der Bundesregierung hat die Entwicklung eines Urinals für weibliche Fans in Auftrag gegeben zwecks Vermeidung von Geschlechterdiskriminierung

Die Sportschau, vorletzte der Saison. Es geht um kaum noch etwas und bei dem, um das es noch geht, glaubt man schon zu wissen, wie es ausgehen wird. Aber der Fußballfan ist ein Bündel von Präferenzen und Ressentiments, die ihn ans Geschehen fesseln trotz dieser rekordträchtigen, überaus erfolgreichen, traurigen Saison.

Auch tags darauf ist keine Hitze mehr in der Schlacht, beim letzten Heimspiel des 1. FC Union gegen den MSV aus Duisburg. Auf einem Nebenplatz spielen zwei Frauenteams.  Der  Frauenfußball hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt, sage ich. Früher konnten die Frauen nur geradeaus laufen und stießen dadurch oft frontal zusammen. Jetzt können sie auch Haken schlagen und Kurven laufen. Unser Boss, Union-Mitglied der ersten, letzten und jeder gegenwärtigen Stunde, staunt.

Einlass und Leibesvisitation ohne Probleme. Kein großes Gedränge. Unser Boss begibt sich an die Urinale, eine der neuesten und segenreichsten Errungenschaften des volksnahen Clubs, führt uns anschließend, geschickt sich durch die Reihen der Fans schlängelnd, auf gute Plätze fast auf Höhe der Mittellinie. Der Fußballnomade wirft einen scheelen Blick auf unser Umfeld. Argwöhnt, dass er mit seiner vornehmen Kleidung den Neid der rauchenden Fans erregt, die in der Regel auch mit einem saftigen Übergewicht ausgestattet sind. Schon deshalb müssen sie rauchen, sonst würden sie ja noch dicker. Hauptsache, sie bohren die Glut ihrer Lullen nicht in sein englisches Jackett, sei es aus Heimtücke, sei es aus Fahrlässigkeit.

Die lange Abschiedsapotheke für die scheidenden Spieler. Warum auch immer sie gehen oder gehen müssen: Schicksale, Formkrisen, Disziplinlosigkeiten, Alter, neue Chancen anderswo, Verletzungen. Trotz allem wird ein Jeglicher als Fußballgott gewürdigt. Im heiteren Auge manche Träne.

Auch ein Stolz von Union: neue Tribüne nur für Sitzenbleiber

Auch ein Stolz von Union: neue Tribüne nur für Sitzenbleiber

Im Union-Sturm zwei hüftsteife Recken mit ähnlicher Spielanlage. An der Seitenlinie ein clubeigenes Talent, das eine schwierige Saison hinter sich hat. Ein schöner 20-m-Schuss von Union, dann erarbeitet sich Duisburg langsam ein Chancenplus. Bessere Spielanlage, bessere Raumaufteilung …

… Es ging um nichts mehr, das sah man auch. Duisburg hatte mal mit dem Abstieg zu tun, das war vorbei, Union konnte sich Hoffnungen auf den Relegationsplatz machen, jetzt kaum noch vorstellbar. Trainer Neuhaus schien die Saison abgehakt zu haben, die Mannschaft befand sich in einem Zustand der Willenlosigkeit.

Im heutigen Fußball sind auch weniger begnadete Teams in der Lage, gut zu verteidigen. Man hat da seine Vierer- oder Dreier-Ketten, seine Doppelsechs und das Prinzip, dass die Defensive schon beim vorgeschobensten Spieler beginnt. So ist es am Strafraum mit der Herrlichkeit der angreifenden Mannschaft vorbei. Es kommt auf die sogenannten zweiten Bälle an. Die abgewehrten, abprallenden Schüsse und Flanken, bei wem landen sie? Wer reagiert am schnellsten? Das entscheidet oft ein Spiel. So machte Duisburg das 1:0. Das Gegentor brachte die Qualitäten von Union zum Vorschein. Leidenschaft, an den Seitenlinien nach vorn sprinten, immer wieder, die Bälle nach innen schlagen. So fiel das 1:1 aus einer unübersichtlichen Situation im Duisburger Strafraum, und nach einer eben solchen gab der Schiedsrichter einen Elfmeter für Union. Guter Schiedsrichter, sagte ich ironisch. Und unser Boss: Die Duisburger haben den Schiri gerade genug geärgert mit ihren Protesten nach einem Freistoß, und jetzt macht er das.

Das war’s dann. Die Fans blieben noch. Die Spieler applaudierten ihnen. Lohn der Treue. Der Stadionsprecher versprach Nähe, Autogramme und Gespräche. Zwei tragische Fans in unserem Rücken versuchten, das Geschehen zu bewerten: Wenigstens ein versöhnlicher Saisonabschluss. Ja, versöhnlich.

Das ist es. Wir sehen, wie wir gelernt haben,  uns mit dem größten Mist zufrieden zu geben. Die Merchandising-Shops wurden belagert. Traurige Fans, die ihr Geld für traurige Abzeichen ausgaben.

Am Ende kaufen sie sich Sticker

Am Ende kaufen sie sich Sticker

Sportschau, die letzte. Dritte und erste Liga. Hansa vermag es auch im letzten Heimspiel nicht, ein Tor zu schießen und sich für den „betriebenen Aufwand zu belohnen”. Die ewige Wiederkehr des Gleichen auch in der ersten Liga. Gladbach geht schnell 2:0 gegen die Bayern in Führung, um dann aufzuhören zu verteidigen und schließlich 3:4 zu verlieren. Dortmund macht gegen den Fast-Absteiger schnell das 1:0, vergisst dann aber, dass sie eben nur 1:0 und nicht 3:0 führen, um dann zwei Elfmeter und einen Platzverweis zu fressen (Weidenfeller). So haben sie viele, viele Punkte liegen lassen in dieser Saison und manche Mannschaft wieder aufgebaut.

Wohin geht der Fußball. Es gibt nur noch eine Möglichkeit, die Saison zu retten.  Wir wissen, wovon wir sprechen. Scheint keine schlechte Idee des Fußballgotts gewesen zu sein, Mario Götze einen Muskelfaserriss anzuhexen. Das „größte Talent des deutschen Fußballs” hätte leicht zur tragischen Figur werden können im Championsleague-Finale, zerrieben zwischen seinem alten und seinem neuen Team. Und es gibt eine Möglichkeit, sogar schon die nächste Saison zu retten. Besäße der DFB nur einen Funken Genialität, würde er Jupp Heynckes jetzt zum Bundestrainer machen. Jogi Löw könnte er seinem Freund Rainer Adrion an die Seite stellen als Co-Trainer der U 21 oder seine Länderspielreise in Amerika bis ins Unendliche verlängern. Wir müssen jetzt endlich was machen aus unserer goldenen Generation.

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