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Conny geht zur Polizeischule

Ein ernstzunehmender Krimi könnte so aussehen wie „Wer das Schweigen bricht”, der Tatort aus Frankfurt. Mord im Jugendknast. Türken, Libanesen, Russlanddeutsche, Nazis. Düstere Location, gehemmter Anstaltsleiter, tyrannischer Aufseher. Der Ausbruch der Gewalt kann jeden Moment wieder geschehen. Und geschieht auch. Linkische Wärter und Polizisten. Die Ermittler scheinen überfordert. Am Ende haben wir nicht mitbekommen, ob der Fall sauber und konsequent ausermittelt wurde. Täter sind irgendwie alle. Manches Verbrechen ist simuliert.

Es war der letzte Fall von Conny Mey zum großen Bedauern der bundesdeutschen Leitmedien, und die Folgemedien ziehen selbstverständlich nach. Conny Mey wird uns fehlen, sie kann sogar türkisch. Jetzt geht sie zur Polizeischule nach Kiel, will jungen Polizisten was beibringen und hält die Welt für verbesserbar. „’ne größere Scheiße haben Sie noch nie von sich gegeben”, sagt der Kollege Steier ungehalten, der gern mit Conny weiter arbeiten würde, auch wenn er sich nie besonders charmant zeigte ihr gegenüber und überhaupt.

Es ist ja so, dass die Schauspielerin Nina Kunzendorf von sich aus aussteigen wollte aus dem Tatort. Und wirklich: Trotz aller medialer Lobeshymnen zeigt sich, dass die Gestalt der Conny Mey etwas eindimensional angelegt ist. Enge Lederjacke, enge Jeans, hohe Absätze, üppige Schals. Während Lene Odenthal durch ihre Tatorte sportiv durchlaufen muss, marschiert Conny Mey durch die Krimis, aufrecht, unerschütterbar, mit strammem Hintern. Wo ihr Kollege Steier an der Welt, an der Stadt, am Personal und an sich verzweifelt, ist die mindestens einen halben Kopf größere Conny ohne Arg. Und ihre Stimme hat diesen reizvollen Bruch. Es ehrt die Schauspielerin Nina Kunzendorf, wenn ihr das zu wenig war. Ich bedauere ihr Fortgehen nun auch. Da war Entwicklungspotential.

Ganz lustig: Der Feuilletonchef der Berliner Zeitung spricht vom Kommissar Steuer. Mit konstanter Bosheit. Aber der heißt ja nun doch Frank Steier, und wird vom nie einschichtigen Joachim Król dargestellt. Wahrscheinlich dachte der Autor beim Verfassen seiner Rezension unbewusst an seine Steuerklärung. Anders lässt sich sowas wohl kaum erklären.

Zum Thema des Humors in harten Krimis noch etwas: Obwohl Mey und Steier/Steuer in düsterer, bedrohlicher Atmosphäre ermitteln, obwohl sie kaum weiterkommen und nach Strohhalmen greifen müssen, unzufrieden mit sich und der Welt, manchmal am Rande des Nervenzusammenbruchs, sind sie doch auch komisch. Es ist wie im Leben. Der Humor kommt von allein. Da muss nichts übers Knie gebrochen werden.

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