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Wir sind begeistert und gelähmt

Wem die Worte fehlen, der redet besonders viel, wenn der Tag lang ist. So ist es mit den Medien und ihren Sportberichterstattern im Fall der Fußball-Meisterschaft des FC Bayern München, die eine Frühgeburt ist und schon seit langem nicht bezweifelt wurde. Nun, nach dem 28. von 34 Spieltagen, ist auch rein rechnerisch alles besiegelt. Damit ist die Fußballmeisterschaft in Deutschland sechs Wochen vorfristig abgeschlossen. Wir sind begeistert.

Der Rest ist Hühnerdreck. Was soll man dazu sagen! Aber man muss etwas dazu sagen, es muss abgefeiert werden. Unter der Überschrift „Huldigungen an den Meister” huldigt sich zuerst der Meister selbst. Die Bayern sind Großmeister, sie brechen alle Rekorde, sie sind brillant, aber auch demütig, sie bleiben hungrig und wollen aus der Super-Saison eine Super-Super-Saison machen, sie spielen in allerhöchster Qualität. Es steht fest, dass es nie einen besseren deutschen Meister gab als den FC Bayern 2013. Wer bei solchen Lobgesängen nicht gähnen muss, hat bestimmt zu lange geschlafen.

Bedauerlich, dass in den Medien versäumt wird, auch den Schiedsrichtern und der DFL, der Deutschen Fußballliga, sowie Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen zu gratulieren. Der DFL, weil sie den Bayern günstige Spielansetzungen verschaffte. Denn das weiß man ja, wenn die Bayern einen guten Start haben, ist die Psyche intakt und die Spiele gewinnen sich wie von selbst. Den Schiedsrichtern ist zu gratulieren, weil sie die Augen im richtigen Moment woanders haben. Den Handelfmeter, der der Frankfurter Eintracht versagt wurde, hätten die Bayern garantiert bekommen. Man sagt, dass sich so was im Laufe einer Saison ausgleicht, ich würde eher meinen, dass es sich summiert. So kommen utopische Vorsprünge zustande. Ja, und Dortmund und Leverkusen haben in ihrer unbürokratischen Lust am Spiel immer wieder Punkte liegenlassen; so lange die Qualifikation für die Championsleague nicht gefährdet war, haben sie alles dafür getan, dass der Punktevorsprung der Bayern groteske Ausmaße annahm, so dass man Mühe hat, diese Meisterschaft ganz ernst zu nehmen. Es sieht ein bisschen nach Bananenrepublik aus. Alle haben Angst vor dem Unmut von Uli Hoeneß. Dann sieht es also eher nach Würstchenrepublik aus.

Auf Dauer können wir uns langweilige Meisterschaften, die lange vor ihrem Ende beendet sind, nicht leisten. Dann existiert kein Fußballfieber mehr, sondern Untertemperatur. Das werden die zahlenden Zuschauer nicht mögen.

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