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Erstmal die Hundescheiße

Immerhin hat Berlin es hinbekommen, einen Hauptbahnhof mit solchen tabellarischen Wänden zu errichten

Immerhin hat Berlin es hinbekommen, einen Hauptbahnhof mit solchen tabellarischen Wänden zu errichten

Tücke des Objekts. Das ist der Begriff, nach dem ich oft suche, wenn sich die Gegenstände wieder einmal unmöglich verhalten. Durch die Hände rutschen. Zerbrechen. Klirren. Verkettung unglücklicher Umstände kommt dem Sachverhalt auch nahe. Sicher ist eines: Die Objekte werden immer tückischer. Woran liegt das?

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„Die Arbeitsamkeit des Landmanns wetteifert mit der Zeugungskraft der Natur.” Philipp Franz von Siebold über japanische Felder an Berghängen. 1826. Aus: Der Deutsche in der Landschaft. Herausgegeben von Rudolf Borchardt. Suhrkamp

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„Die DDR war ja ein Theaterparadies. Es gab 56 Theater. Man konnte in den Stücken Botschaften unterbringen. Das gibt’s heute gar nicht mehr. Du kannst ja machen, was du willst. Es wird ja schon auf die Bühne geschissen. Es wird auch nicht mehr lange dauern, bis man Geschlechtsverkehr auf der Bühne hat.” Michael Schweighöfer, Berliner Zeitung, 2./3. 3. 13

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Es ist sowieso falsch, von Mund-zu-Mund-Propaganda zu sprechen. Wie soll das gehen, von Mund zu Mund? Das können ja höchstens Küsse sein. Nein, es muss Mund-zu-Ohr-Propaganda heißen. Aber die ist aus der Mode gekommen. Heute muss es heißen: Das Buch (oder der Film oder das Gerücht) wurde populär durch Handy-zu-Handy-Propaganda. Ob man das bitte zur Kenntnis nehmen und sich daran halten möchte?

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Ich bin (vermutlich) nicht faul oder arbeitsscheu. Aber es stört mich eben doch, dass ich zu vielen Dingen und Tätigkeiten, die mein Leben ausmachen, nicht komme, wenn ich arbeiten muss.

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Nach langer Zeit mal wieder Nachrichten von Jennybaby. Jennifer Capriati, die früher ihr attraktives Übergewicht  über den Tenniscourt schleppen musste. Wenn das Match über drei Sätze ging, verlor sie immer.

Sie hat ihren Ex verprügelt. Es war in einem Fitnessclub in Palm Beach. Der Ex hat sie angezeigt. Nun hat sie einen Prozess wegen Körperverletzung und Stalkings am Hals. Man ist nicht überrascht.

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Rentner sind immer die anderen.

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Die Lauers gaben das junge Paar, dem das Glück hold ist. Sie waren ja so intelligent, so hübsch und so erfolgreich. Brachen auch ständig in Gelächter aus. Und hatten so tolle, überdimensional bezahlte Jobs. Das war äußerst abstoßend für die übrigen Anwesenden.

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Liegst du im Koma, Oma? Ich hasse die Terrasse. Ich liebe das Getriebe. Außenmister Westerwelle tritt heut eifrig auf der Stelle.  (Wenn man unter Reimzwang leidet. Wenn man nicht unter Reimzwang leidet: SPD-As Steinemeier schleift heut selber seine Brillengläser.)

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In der Sparkasse am Hackeschen Markt. Ein total betrunkener Mann taumelt herein, geht an den Automaten, von dem ich mich gerade zurückgezogen habe. Ich bleibe stehen in Erwartung eines Schauspiels. Wie ein Sturzbetrunkener vergeblich versucht, Geld zu ziehen, wie die Aktionen immer hilfloser und wütender werden. Er fällt zwar immer wieder gegen den Automaten, aber der Automat kippt nicht um und der Säufer schafft es beim ersten Versuch, wahrhaft eine Leistung.

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Berlin müsste versuchen, Zeichen zu setzen, relativ begrenzte Zeichen. Zum Beispiel, dass die Stadt in der Lage ist, mit der Hundescheiße fertig zu werden. Eine Stadt, die nicht mit der Hundescheiße fertig wird, kann auch nicht drei Opernhäuser bewältigen oder einen Großflughafen bauen. Sie könnte höchstens türkischen Journalisten Platz schaffen für einen Prozess, in dem es um türkische Opfer geht.

Ich finde sogar, dass es schon etwas besser geworden ist mit der Hundescheiße in Berlin. Ich bin lange nicht mehr reingetreten. Kann auch daran liegen, dass ich einfach auf der Hut bin. Aufpassen wie ein Schießhund. Nicht wie ein Scheißhund.

Kategorien:Short cuts Schlagwörter: , ,
  1. März 31, 2013 um 8:53 pm

    Ja, Potsdam auch, zugeschissen und vermüllt. Mein Aszendent ist Jungfrau, vielleicht rührt daher mein neuer Hang zu Ordnung und Sauberkeit, wirklich, wäre ich Bürgermeisterin, meine erste Anweisung: Jeder kehrt vor seiner Tür, auch Konzerne.

    Mein Sohn war im Dezember in Moskau, und im März in Barcelona, brachte Fotos und Videos mit. „Das ist so sauber überall“, fiel mir sofort auf. Hannes sagt: „Ich hab mich nicht getraut, ne Kippe fallen zu lassen“, dachte an Ordnungsstrafen, aber nee, da wurde permanent gekehrt. Moskau und Barcelona, viel moderner und interessanter als Berlin und Potsdam, sowieso, nicht nur die Reinheit. Nun, er und sein spanisch sprechender Arbeitskollege beschlossen spontan, zum FCB-Spiel zu gehen, auch diese Fotos und Videos, grandios, kommt im Fernsehen nie so rüber, die Kulisse, wow! Kopka, und Dank mal wieder für einen Filmtip, Gratzik, schöner Film. Kannst du eigentlich sehen, wieviele Leute dein Tagebuch lesen?

  2. März 31, 2013 um 10:47 pm

    Ja, kann ich sehen, wie viele Leute das lesen.
    Aber, die Hundescheiße! In Prag war es fast noch schlimmer als in Berlin. Hätte ich nicht gedacht.

  3. April 7, 2013 um 1:58 pm

    Ah gut. Ich lese jetzt regelmäßig , denke auch meistens einen Kommentar, bin aber fast immer zu faul, ihn zu formulieren.

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