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Selbst eingeschläfert

Gegen Kasachstan. Welche Herausforderungen warteten da auf die deutsche Fußballnationalmannschaft (gegen den 139. der Weltrangliste)! Die Zeitverschiebung! Der späte Anstoßtermin um 0.00 Uhr Ortszeit! Der Kunstrasenplatz! Der Reichtum der Kasachen!

Nun, es zeigte sich, der Gegner hatte nicht mehr als Zweitliganiveau. Die Kasachen gingen hart in die Zweikämpfe, waren gelegentlich nicht ungeschickt, aber wenn sie in die Hälfte der Unsrigen vordrangen, verließ sie der Mut, die Konzentration, vielleicht gar das Bewusstsein.  Auch ZDF-Reporter Bela Rethy erkannte rasch, dass es ein leichtes Spiel sein würde und ließ in seiner Entspanntheit ganz gegen seine Art einige drollige Sätze vom Stapel. „Müller fummelt sich da irgendwie durch.” „Kasachstan gelang schon mal ein 2:2-Sieg gegen Serbien.” „Schweinsteiger wird da niedergerungen regelrecht.” (Er rang sich, glaube ich, selbst nieder.) Der beste Satz war aber dieser: „Die deutsche Mannschaft hat sich selbst eingeschläfert.” Das stimmte zum Glück nicht, besaß aber doch einen morbiden Charme.

Es war schon so, dass die Kasachen nach der Pause nach dem Ist-ja-doch-scheißegal-Prinzip beherzter nach vorne spielten und mit einem gewaltigen Lattenkracher Aufsehen erregten. Da hatte Manuel Neuer, der ja stets ohne Gegentor bleiben möchte und alles andere als Majestätsbeleidigung auffasst, Glück.

Kein Wort zum Bundestrainer? Joachim Löw sagte zuletzt gerne „Do it like Spain” und will ohne echten Stürmer spielen. Für ihn auch eine Gelegenheit, den derzeit besten deutschen Stürmer, Stefan Kießling, den er irgendwie nicht verknusen kann, auf die schnöselige Jogi-Art abzubürsten. Kießling möge zwar der erfolgreichste deutsche Stürmer der Bundesliga sein, aber international werde die Luft doch sehr dünn. Zu dünn für Kießling, soll das heißen. Und: Er könne Kießling keine Perspektive in der Nationalmannschaft bieten. Das muss er auch nicht. Er soll an den Moment denken und an demnächst bevorstehende Momente. Vielleicht kann nämlich Kießling in dieser oder jener Situation der Nationalmannschaft eine Perspektive bieten. Ein Trainer, der für einen Stürmer wie Stefan Kießling keine Perspektiven sieht, kann mir nur leid tun.

  1. März 23, 2013 um 2:22 pm

    Ich kann mich dem nur anschließen. Und zu Bèla dem Réthy habe ich mir gestern mal die Mühe gemacht, eine Highlights zu verfassen, oder so 🙂
    http://www.xn--50forum-m2a.de/index.php?page=Thread&threadID=82

  2. März 24, 2013 um 7:07 pm

    Die Liste der Highlights ist ein echtes Sportreporter-Charakterstück. Einige Sätze sind mir auch noch in unguter Erinnerung.

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