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Zwei linke Latschen

Sie haben nie geklagt, aber man sah schon, dass ihnen der Job schwer fiel, und nun gehen sie in Rente, Herbert und Herbert, die Männer vom Polizeiruf, Herbert Schneider und Herbert Schmücke. Dass da ein Herbert den anderen Herbert Herbert nennen musste und der andere Herbert den einen Herbert eben auch Herbert, das war schon eine der größten Witzigkeiten der Reihe, die über 50 Folgen und 17 Jahre mitgeschleppt werden musste, das tut schon weh. Jaecki Schwarz’ Herbert war ein wenig snobistisch, ein Freund der Oper und des genussvollen Essens, und da bot sich eine weitere Witzigkeit an: Immer wieder wurde er von einem – ich sag mal – opulenten Mahl weggerufen, was ihn nicht hinderte, beständig zuzunehmen, so dass man zuletzt nicht wusste, ob ihn noch seine Beine trugen oder ob es der große Mantel war, der ihn fortbewegte. Wolfgang Winklers Herbert war der proletarische Typ, bodenständig, leicht verwechselbar mit einer ganzen Phalanx von Leuten mit breiten Gesichtern und stattlichen Schnauzbärten, er war die Stimme der Vernunft und leicht zu kränken, besaß eine blonde Freundin, für die er nie Zeit hatte, während Schmückes Liebste, Opernregisseurin, bei einem Unfall ums Leben kam, mit anderen Worten, die schneidig schöne Schauspielerin Marita Böhme wurde rausgeschrieben aus der Serie.

In Sachen Klischees war der Hallenser Polizeiruf Täter und Opfer zugleich. Er präsentierte dem westdeutschen Feuilleton zwei Ost-Kommissare, die langsam, arbeitsscheu und trinkfest waren, und das westdeutsche Feuilleton tappte in die Falle und mokierte sich. Die ostdeutschen Zuschauer verwöhnte man mit reichlich Ostigkeit und der Wiedererkennbarkeit der alten Sprüche. „Freitag ab eins macht jeder seins.” Da jubelt der Ostler (falls es den gibt), und ziemlich billig ist das schon. Letztlich wurde die Reihe zusammengestrickt nach der Passen-zusammen-wie-zwei-linke-Latschen-Ästhetik und mit der sind die auch als Fruchtzwerge bekannten Schauspieler jetzt auf Lesetour mit ihrem Buch: Herbert & Herbert – Mit dir möchte ich nicht verheiratet sein. Auch so eine Falle, die sie den Leuten und sich selber stellen.

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