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Das Personal Berlins

Die FAZ ist stolz auf ihre Autorin Johanna Adorján: „Sie erzählt vom Personal Berlins”. Und da in diesen Tagen das neue Buch der Erzählerin erscheint, es heißt „Meine 500 besten Freunde”, bietet die FAZ schon mal einen Lese-Anreiz. Da ist die Erzählerin, mit der gebotenen Selbstironie, nun ihrerseits stolz, dass sie sich oft mit ihrer Freundin Eva im Berliner Promilokal Borchardt trifft und dort sogar einen Tisch in der Mitte bekommt. „Manchmal, wenn ich zur verabredeten Zeit ankam, mir den Mantel abnehmen ließ und mit einem raschen Blick den großen Raum durchmaß, und wenn ich sie dann wieder einmal schon dort sitzen sah, wie sie mir mit ihrem kleinen aufgemunterten Gesicht aus der Mitte zuwinkte, manchmal hatte ich da das Gefühl, vielleicht brauchte sie es mehr”… , also, dieses Rumsitzen im Promillokal.

Das versteht die FAZ nun also unter einem Lese-Anreiz. Eh! Kann man noch schlechter schreiben? Wie winkt man denn jemand mit einem kleinen aufgemunterten Gesicht aus der Mitte zu? Das kriegt man doch nur hin, wenn man sich fälcherlicherweise zum Personal Berlins zählt. Es geht über eine Seite. Irgendwann, die Stimmung war schlecht, schälte sie, Eva, „sich aus dem Mantel und brachte ein abenteuerlich kleines schwarzes Etwas zutage, das vor ihrem riesenhaft unter dem Kinn hervorragenden Dekolleté mühsam mit einer kleinen Kordel zusammengebunden war.”

So stellt sich das Personal Berlins wahrscheinlich Erotik vor. Alles in allem bleibt der Eindruck einer unendlichen Trostlosigkeit zurück. Wir haben uns also bei unseren seltenen Besuchen im Borchardt nicht getäuscht. Es geht verdammt trostlos zu dort, wo die Prominenz ihr kleines Wiener Schnitzel isst und darauf achtet, dass jedermann ihre Rolexuhren  sieht. An Berlin liegt das nicht. Es liegt an diesen Leuten, die keine Ahnung von dieser Stadt haben, aber sich für das Personal Berlins halten. Der Verlag, der so etwas so redigiert (oder auch nicht redigiert), ist der Luchterhand Verlag. Und die Zeitung, die so etwas für einen Lese-Anreiz hält, ja, wie gesagt, es ist die FAZ. Mit der Stadt Frankfurt (und ihrem Personal) geht man dort etwas sorgsamer um. Das nächste Buch Johanna Adorjáns ist bereits in Arbeit. Es heißt „Meine 1000 zweitbesten Freunde”.

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