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Das Unglück zu siegen

Ich habe nur den Schnelldurchlauf des deutschen Ausscheids für den Song Contest gesehen (über mehr Nerven verfüge ich nicht). Da war schon klar, dass nach dem Triumph der Spott folgen wird, das ist nicht nur so, wenn man mit Korsage, Miniröckchen und Tüllgardine antritt wie Natalie Horler und Cascada. Das muss sogar so sein, wenn die Sidekicks wichtiger sind als das Eigentliche, der Song. Es war vom Dancefloorkracher die Rede, vom bulettenbratenden Vollweib, von einer Mischung aus Brunhilde und Annette Schavan, vom Kampfweib – zu viel der Mühe, solche Abservierungen fallen nicht zu Unrecht auf die Urheber zurück. Noch mehr Spott musste der Kameramann ertragen, der versuchte, irgendwie unter das Röckchen der Sängerin zu gelangen und dabei doch anständig zu bleiben. Wenn ich vom Schnelldurchlauf ausgehen darf: Jeder dieser Songs hätte als Sieger des Wettbewerbs Unglücksgefühle ausgelöst, ob es nun die fröhlichen bayerischen Blechbläser oder die Anzugträger Mannheims gewesen wären, und wenn die Jury auf Blitzkids setzte, lag sie gar nicht so schlecht. Es wird nicht besser werden, wenn man sich nicht entschließt, einfach mal an ein Lied zu glauben, an die Power eines einfachen Lieds, an Naivität, Sentimentalität, daran, dass auch etwas Falsches wie Ein bisschen Frieden etwas Richtiges sein kann auf der Schlagerbühne, man braucht junge Heldinnen und Helden, egal welchen Alters, denen man einfach glaubt, dass sie an das glauben, was sie da singen, wenigstens für drei Minuten. Sollen sie sich die Seele aus dem Leib singen.

Was auch nervt ist im soundsovielten Jahr die Berlinale mit ihrem Direktor und seinem roten Schal, seinem breitkrempigen Filzhut (diese Vorstellung von lustiger Eleganz), seiner durchgängig guten Laune, seinem Bekenntnis zum politischen Film und der Cleverness, mit der er im richtigen Moment Stars und Medien zusammenbringt. Was bleibt von der Berlinale. Immer dasselbe.

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