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Quatschen und Fressen

Im Rostocker Polizeiruf wird viel gegessen und dabei geredet. Das ist ein Hinweis auf hilflose Regisseure und hilflose Schauspieler. Sie glauben, dass es unheimlich realistisch ist, wenn einer gleichzeitig quatscht und frisst. Aber mich nervt es; viele andere auch. Es nervt mich auch im wahren Leben. Kennt denn keiner den Spruch: Mit vollem Mund soll man nicht sprechen? Doch. Kennt jeder. Kennt auch jemand den Spruch: Mit leerem Mund soll man nicht essen? Nee, kennt keiner. Ist aber logisch. Im Rostocker Polizeiruf verwenden sie auch gerne Spruchweisheiten und Volksmund. Formulare, Formulare, von der Wiege bis zur Bahre, sagt Kommissar Bukow. Mann. Muss das sein? Ihre Fragen gehen mir sowas von auf’n Sack, sagt Kommissarin König. Auf welchen Sack eigentlich, Jugendfreundin? Im Rostocker Polizeiruf sind die Dialoge hundsmiserabel, man versucht sich mit Slang und Kraftausdrücken zu retten, sollte aber mal nach einem guten Dialogschreiber Ausschau halten, so was soll’s nämlich geben. Im Rostocker Polizeiruf kann keiner keinen leiden, alle sind mit ihren Vorgeschichten beladen und misstrauen ihren Kollegen, die auch mit ihren Vorgeschichten beladen sind; und dann gibt es da noch einen Oberpolizisten und zwei Unterpolizisten, die dramaturgisch total überflüssig sind, und deshalb muss  man sich irgendwas für sie einfallen lassen, diesmal ging der eine an Krücken und durfte nicht raus (Innendienst) und der andere war wie immer scharf auf den Posten seines Vorgesetzten. Wie es sich für die Provinz gehört, redet man respektvoll von einer zugereisten „Vollblut- oder Investigativjournalistin” (die weiß als solche nämlich das Kaliber der Mordwaffe), führt uns in irgendwie inoffizielle Küchen, die zu den Amtsstuben gehören, es gibt Fischbrötchen, es wird gekotzt, ordentlich auf die Fresse gehauen, und das ideologische Soll auf gar nicht mal so eindeutige Weise auch erfüllt. Von diesen geringfügigen Einwänden abgesehen war der Polizeiruf aus Rostock vorzüglich oder, wie die FAZ meldet, „sehr gut komponiert”. Besonders erwähnenswert, dass Anneke Kim Sarnau als Kommissarin König eine begnadete Fratzenschneiderin ist und dass man mit Klaus Manchen einen der gefragtesten Rentnerdarsteller des deutschen Fernsehens verpflichten konnte.

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