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Krawall-Krimi

Der Dortmunder Tatort macht krampfhaft auf Krawall. Babys schreien auch, weil sie Aufmerksamkeit wollen, und so mag das eine Kinderkrankheit sein, wobei: Manche Leute und Institutionen werden ihre Kinderkrankheiten nie los.

Der Fokus ist zu weit gefasst. Sechs und mehr Ermittler turnen vor unseren Augen herum, und dann braucht man auch noch Opfer, Täter, Verdächtige, Unverdächtige, was will man über diese Heerscharen im Einzelnen noch Genaueres erzählen? Milieus müssen ebenfalls eingeführt und beschrieben werden, neben dem Revier („Mein Revier” heißt denn auch diese Folge) noch das Milieu türkischer Migranten und das bulgarischer Einwanderer (viel Chaos und Müll in Haus und Hof). Die Türken gebärden sich angesichts der neuen Underdogs aus Bulgarien wie Herrenmenschen. Das mag alles sein, zielführend ist es nicht, und das Personal, wie gesagt, zu zahlreich, wenn jeder noch Anspruch auf seine eigenen Verrücktheiten erhebt, die Jungermittler auf ihren aufschneiderischen Sex (ansonsten könnten ihre Aufgaben auch von anderen miterledigt werden), die nicht beförderte Kommissarin, die sich stets im sexuellen und familiären Notstand befindet und, wenn man von ihrem signifikanten Phlegma ausgeht, zu Recht nicht befördert wurde sowie, immer zuerst, Hauptkommissar und Profiler Peter Faber (Jörg Hartmann), der Täter-Versteher, der gleich zwei ausgiebige Zornattacken mit dem Baseballschläger vorturnen muss, einmal am Anfang und einmal am Ende des Films. Sollte das eine Klammer sein, Kunst? Andeuten, dass der Zorn nie aufhört?

Einfälle müssen sein, aber wenn sie eher mutwillig konstruiert sind, stören sie nur: die bei einer Razzia beschlagnahmte Pistole, die verschwindet und als Tatwaffe wieder auftaucht … Das gemeinsame Besäufnis, das aus Feinden Freunde macht („Ich habe nur versucht, Schritt zu halten.”) Die Briefumschläge, die Faber auf seinem Schreibtisch findet und die ihn an seine tragische Vergangenheit erinnern und aus der Bahn werfen sollen … So eine miese Aktion sollte sich in einem gut besetzten Revier leicht aufklären lassen und nicht unentwegt wiederholt werden.

Als ich später auf Sport 1+ umschaltete, war Kommissar Faber alias Jörg Hartmann abermals  im Furor. Diesmal schlug er nicht mit dem Baseball-, sondern mit dem Tennisschläger zu und nannte sich Andy Murray. Er schaffte es (gegen Roger Federer) in den Tiebreak des ersten Satzes, den er verlor. Danach erwies sich sein Zorn als kontraproduktiv gegen die gewitzten Returns des Schweizer Gegenspielers. Vom Tennis lernen heißt an der Feinjustierung arbeiten, Freunde in Dortmund, ihr könnt es auch vor der Haustür studieren: bei der Borussia.

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