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Ohne Feinde geht es nicht

Es scheint für Uli Hoeneß schwer, wenn nicht unmöglich zu sein, einen glücklichen Menschen darzustellen. Seinem Unternehmen, dem FC Bayern München, geht es sportlich und wirtschaftlich blendend. Es gibt keinen Club, der wirtschaftlich besser dasteht, glaubt Hoeness. Leider folgt daraus noch nicht, dass man auch sportlich der beste Club ist. An dieser Ungerechtigkeit leidet Hoeneß. Ohne es zu wissen. Er gibt mit seinem „alten Freund Jack Nicholson” an und meint mit dessen Filmtitel „Besser geht’s nicht”: Besser, als wir spielen, und besser, als wir wirtschaften, und besser, als wir uns fühlen, besser geht’s nicht. Aber das Lächeln, das er zu diesen Worten aufsetzt, ist satt und irgendwie schief. Die Augen ertrinken fast in dem massigen Gesicht, sind kaum zu sehen. Jaaa! Die Mannschaft spielte ausgezeichnet. Nach 33 Minuten stand es schon 5:0 gegen den OSC Lille, und ich würde mich auch über gut herausgespielte Bayern-Erfolge freuen, wenn ich nicht wüsste, dass am Tag darauf und am darauf folgenden Tag die große Medien-Kakophonie angestimmt würde. Die Journaille sucht nach Worten für die große Bayern-Oper und möchte die Kicker leistungsmäßig noch übertreffen, aber es will und will nicht gelingen. Es ist ermüdend, nervend und langweilig. Deutschland, Deutschland über alles, darf man nicht sagen, aber Bayern, Bayern über alles – das schon. Und der gute Uli Hoeneß sitzt vor den servilen Medienleuten und kann nicht verbergen, dass der Stachel tief sitzt: zwei verlorene Meisterschaften und einige entscheidende Niederlagen gegen Borussia Dortmund. Was ist daran schlimm letztlich? Dem Fußball tut es nur gut. Entspannung bitte.

Es existiert eine positive Dopingprobe der russischen Diskuswerferin Darja Pischtschalnikowa, die ja auch Silbermedaillengewinnerin der Olympischen Spiele in London war. Diese Meldung hat die Sportredaktion der FAZ derart verzückt, dass sie sie in der derselben Ausgabe, leicht verändert, gleich zwei Mal abgedruckt hat, auf Seite 29 und auf Seite 30. Russische Dopingsünder, hurra! Man kann gar nicht oft genug mit dem Finger darauf zeigen. Dazu kommt eine Kolumne des eilfertigen Anno Hecker, der die Olympischen Winterspiele von Sotschi schon 15 Monate vor Beginn zum Desaster erklärt, wegen fehlender Nachhaltigkeit. „Ja, die russischen Olympiaplaner, viel Geld in der Hand, aber wenig Zukunft im Hirn”, rügt er hochnäsig. Und auf derselben Seite kann Roland Zorn nicht über die deutschen Eiskunstlaufweltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy schreiben, ohne, wie immer und wie in einem bedingten Reflex, auf die Stasivergangenheit ihres Trainers hinzuweisen. Ingo Steuer sei dieser Vergangenheit immer noch nicht ganz entflohen. Zorn muss es ja wissen und tut alles, dass es dabei bleibt.

Im Feuilleton der FAZ haben sie einen Sonderbeauftragten für Ans-Bein-Pinkeleien des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass bestallt. Der heißt Edo Reents. Immer, wenn was mit Grass ist, holt Reents seinen Pillermann raus und pinkelt los. Jetzt geht es um die neu geordnete Dauerausstellung im Lübecker Günter-Grass-Haus. Unter der beziehungsreichen Überschrift „Die Vorzüge des Oberdichters” kann man lesen: „Immerhin: Grass verhinderte es nicht, dass die SS-Geschichte und die Israel-Gedichte nun auch vorkommen; aber sie kommen hier unter ferner liefen vor … Andererseits: Hätte man gleich am Eingang SS-Runen aufhängen sollen, damit jeder gleich weiß, mit wem er es zu tun hat? In Grassens Leben ist ja noch mehr passiert, wenngleich diese eine ›Episode‹ immerhin von solcher Tragweite war, dass er sie sechzig Jahre lang voller Scham verschwieg. Aber lassen wir das.” Ja, lassen wir das, sagte der kleine Häuptling der Indianer großmütig, nachdem er es gerade nicht gelassen hatte. Und am liebsten wäre es Reents schon gewesen, wenn da die SS-Runen gehangen hätten, am Eingang. Mit fällt übrigens noch ein Grund für Grass’ Schweigen ein: Er wusste, mit welcher Journaille er es hierzulande zu tun hat. Eine Journaille, zu deren Selbstverständnis die Erkenntnis gehört, dass eine (Qualitäts-)Zeitung auch groß wird durch die Feindschaften, die sie pflegt. Günter Grass! Die Russen! Felix Magath! Jürgen Klinsmann! Michael Ballack! Der Wowereit! Die Linkspartei! Es gibt ja soviel … Da muss man gar nicht lange nachdenken.

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