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Kindergeburtstag auf dem Mars

In den Werbepausen von „Almost Famous” wurden wir übermütig und schalteten zu Wetten dass und Markus Lanz. Das können insgesamt nicht mehr als neun Minuten gewesen sein, aber wir hatten trotzdem das Gefühl, die volle Ladung abbekommen zu haben. Atze Schröder als Cindy aus Marzahn. THE HORROR THE HORROR THE HORROR (Heiner Müller). Im Nachtrab kann man sagen, dass bei Thomas Gottschalk noch ein gewisses Augenmaß vorhanden war. Vorbei. Kindergeburtstag auf dem Mars, könnte man nennen, was sich da begab, auch wenn die Kinder wie Erwachsene aussahen, aber darum nur umso infantiler auftraten.

War das nicht die aparte Halle Berry, die dort saß? Und war das nicht Tom Hanks, der Mann ohne Gesicht und mit tausend Gesichtern? Der alles spielen kann? Was mögen die gedacht haben, wo sie gelandet sind? Bei den Außeridischen? Oder den Unterirdischen? Sie saßen da mit indignierten Gesichtern und mussten die Bremer Stadtmusikanten darstellen, weil man aus Bremen sendete und weil Markus Lanz in seiner freien Zeit Sackhüpfen geübt hatte und alle zeigen wollte, wie gut er das kann. Die Wetten fielen in den Sektor: Was soll das denn? Ist der verrückt? Hat der nichts Besseres zu tun? Hat die zu viel Zeit? Hat das nicht ziemlich viel mit Dekadenz zu tun? Das war wie aus dem Lexikon der unnützen Fähigkeiten entnommen. Man hat eben einen Haufen doofer Ideen. Das kommt in den besten Kreisen vor. Aber dass man die auch noch verwirklicht und einige Millionen Leute mit hineinzieht, das gibt’s nur am Tatort TV. In jedem Manne steckt ein Kind, und das will spielen. Das geht auf Nietzsche und Morgenstern zurück. Homo ludens. Sendungen wie diese legen den Verdacht nahe, dass wir die Fähigkeit zu spielen verloren haben.

Lanz unterliegt dem Glauben, geistesgegenwärtig und witzig zu sein. Gegenwärtig ist er schon, aber ohne Geist. Und die Witzigkeit ist schmierig. Wer da lacht, dem sollte es später leid tun. Idiotenfernsehen von Idioten für Idioten, schreibt jemand bei Spiegel online. Klingt radikal. Trifft die Sache aber nicht. Vielmehr müssen wir fragen: Was ist mit uns los? Uns Deutschen? Uns Einschaltern? Uns Typen, die wir ja eigentlich keine Idioten sind, uns aber dazu machen, für drei Stunden oder neun Minuten …

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