Handke

© Fritz-Jochen Kopka

Dünne Bücher, dicke Bücher, gelesene Bücher, ungelesene Bücher …

Von Zeit zu Zeit hör ich den Peter Handke gern. Aber warum? Ja, liegt das nicht auf der Hand? Wer kann besser gegen den Strom schwimmen als er. Es scheint das Schicksal von Wunderkindern (und Handke war ein literarisches Wunderkind) zu sein, dass sie früh müde werden, das ist ja auch logisch. Ich höre bei ihm so eine Genervtheit heraus, spüre die Dünnhäutigkeit, den Verdruss. Handkes Königsweg ist die Respektlosigkeit. Der verdankt er seinen Frühruhm. Es begann also damit, dass er die alten Frontschweine der Gruppe 47 der Beschreibungsimpotenz zieh, was so pauschal natürlich gar nicht stimmen konnte. Und außerdem: Beschreibung ist viel, aber nicht alles im Job eines Schriftstellers. Doch das Urteil war unschlagbar provokant, es schlug ein. Da war einer, der das Unbehagen am Kult der Gruppe 47 mit einer Nebelkerze öffentlich gemacht hatte. Während andere Autoren den Rezipienten ihrer Werke schmeichelten, unterzog Handke sie einer Publikumsbeschimpfung. Die Angst des Torwarts beim Elfmeter ist durch Handke sprichwörtlich geworden, obwohl sie vermutlich inexistent ist, denn der Torwart hat beim Elfmeter nichts zu verlieren, wohl aber der Schütze. Wenn es irgendwo ein Interview mit Peter Handke gibt, dann lohnt es sich zuzuhören. „Wenn ein Thomas Mann”, sagte er gegenüber André Müller 1988, „als der größte Schriftsteller dieses Jahrhunderts gilt, dann hat doch das Scheiben überhaupt keinen Sinn … Diese Prosa ist völlig verdorben. Ein schrecklich schlechter Schriftsteller ist das.” Oder über Joyce: „Ich habe in meinem Leben sehr oft den ›Ulysses‹ gelesen, nicht nur gelesen, sondern studiert, Satz für Satz, aber das kann mir beim besten Willen nichts geben.” Und zu Gott: „Wenn sich einer als desillusionierten Menschen bezeichnet, denke ich mir, der lebt gar nicht mehr, weil er durch und durch vernünftig geworden ist. Den kann man eigentlich schon zum Abfall werfen. Das ist genauso, wie wenn einer angeberisch erklärt, er sei Atheist. Den finde ich fast noch blöder als einen, der sagt, dass er an Gott glaubt. Beides ist ungefähr gleich blöd.”

Jetzt ist wieder ein Interview mit Peter Handke erschienen, im SZ-Magazin, Malte Herwig und Sven Michaelsen haben es gemacht. Die Stelle, die mir besonders gefällt, ist ganz unerheblich. „Sie haben zwei erwachsene Töchter, die Ihnen vermutlich nahe legen, endlich das Schreiben von E-Mails zu erlernen”, sagen die Interviewer. „Wann knicken Sie ein?”

„Wenn Sie das Wort einknicken noch mal verwenden, stelle ich Sie hinaus in den Regen. Einknicken, sich hinauslehnen, verschnarcht: Die scheußlichsten Worte der Bundesrepublik kommen von Journalisten”, sagt Handke.

Er hätte wohl noch eine lange Reihe solcher scheußlichster Worte aufstellen können.

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