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Worüber wir reden, wenn wir über Philip Roth reden

© Fritz-Jochen Kopka

Einige von vielen Büchern eines Autors, der kein Vielschreiber ist, sondern sagt, was zu sagen ist.

Wenn wir über Philip Roth reden, reden wir über den ewigen Kandidaten. Seit mindestens zwölf Jahren ist der Literaturnobelpreis für ihn fällig, aber er bekommt ihn nicht. Das ist von Seiten des Nobelpreiskomitees eine bemerkenswerte Nicht-Entscheidung. Jedesmal wieder. Seit zwölf Jahren legt Philip Roth, man möchte beinahe sagen, Jahr für Jahr neue Bücher vor, die sich nicht dadurch auszeichnen, dass sie die Geschwätzigkeit von Alterswerken besitzen, sondern ganz anders: Sie werden knapper, fokussierter, sie sind Knochen, Muskeln und Sehnen, kein Fett. Für jedes dieser Bücher, ob sie nun „Jedermann”, „Exit Ghost”, „Empörung” oder „Nemesis” heißen, hätte Roth den Literaturnobelpreis verdient, aber er bekommt ihn nicht. Er hat ihn auch dieses Jahr nicht bekommen, und so sind die Entscheidungen, die das Komitee trifft, in jedem Jahr auf zweifache Weise originell: Einmal, indem sie Roth den Preis verwehren, und zweitens, indem sie jemanden finden, an dem man nie gedacht hätte, selbst wenn man ihn kennte. Das Komitee hat alles Recht der Welt, sich so zu verhalten, also keine Wahl zu treffen, die auf der Hand liegt oder sich gar aufdrängt. Und etwas anderes, viel Wichtigeres kommt hinzu. Das ist der Fluch des Literaturnobelpreises. Er bringt Geld, hohe Auflagen und Ansehen, aber er nimmt den geistigen Hunger, die Lebendigkeit eines Autors und die Kreativität. Der Literaturnobelpreisträger ist mit dem Literaturnobelpreis ruhig gestellt.  Deshalb ist das Komitee nicht nur originell, wenn es Roth den Preis verweigert, sondern auch weise. Es erhält uns einen Autor, der uns noch viel zu geben hat, so lange er nicht ruhig gestellt ist.

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