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Der Fußballnomade, overdressed

© Fritz-Jochen Kopka

Böhmen ist viel mehr als Prag

Lieber Ecki,

das hast Du richtig vorhergesehen: So schnell kriege ich meinen Hintern nicht hoch, obwohl es mich schon gereizt hätte, Deine Lieblingsmannschaft wiederzusehen und erstmals den Fuß auf Pilsener Pflaster zu setzen … Was soll man machen, man ist eben der, der man ist. Im Alter besonders.

Im Moment macht mir der Fußball nichts besonders viel Spaß. Düsseldorf – Bayern 0:5; wer will sowas sehen. Ja, richtig, viele, aber ich nicht. Hansa gewinnt mit dem obligatorischen Smetana-Tor und viel Glück gegen zehn Aachener 1:0. Dazu zwei Kreuzbandrisse in einer Woche.
Na ja. Ich werd gleich mal schauen, was Gablonz gemacht hat. Bist Du dort?
Lieber Fritz,

ja, ich war dort! Pilsen war wie immer schön, meine Gablonzer spielten 1:1. Als Du schriebst, saß ich im Stadion. Allerdings glich Vit Benes erst in der 85. Minute per Kopf aus. Ein wirklich hochklassiges Spitzenspiel, temporeich, Pilsen hatte mehr Ballbesitz, die Gablonzer aber mehr Chancen, sie sind einfach sehr effektiv, vielleicht liebe ich sie deswegen so … Über 10 000 Fans im Stadion, viel für Böhmen! Auch die Anfahrt via Chemnitz-Komotau: sehr schön. Noch ein kurzes stopover in Saaz. Diese Hopfenhauptstadt. Toll! Die böhmischen Kleinstädte sind ein Traum! Allerdings das Wetter neblig-trüb, die Sonne kam am Sonnabend nur nachmittags durch, in Pilsen schon nicht mehr. Also auch weit kühler als hier … Das gute Bier … Ich wohnte in einem alten Kasten, dem Hotel Slovan, eigentlich schön, aber ich nahm Kategorie B, Dusche und Klo auf’m Flur. Dafür 25 € pro Übernachtung und Frühstück. Die Lage top. Da wähle ich ja kühl zwischen den drei Polen Hbf – Hotel – Stadion. Alles andere ist unwichtig. Die Mitbewohner rätselhafte Gestalten. Eine Art Arbeiterwohnheim. Sahen aus wie Kaukasier oder Südrussen. Aber sehr freundlich.

Ich war für diese Landstriche eher overdressed. Beige Hose, ordentliches Sakko, gute Schuhe und nie kragenlos, das ist schon viel zu viel. Aber ich habe wenig Lust, mich obertrikotagenmäßig dem Ideal des amerikanischen Underdogs anzupassen, nur um nicht aufzufallen.

Die Rückfahrt ab Grenze auch sehr schön, ich nahm die Strecke Pilsen-Eger, dann weiter via Weischlitz, Gera. Also das Elstertal, zwischen Plauen und Gera eine wunderschöne Trasse. Auch der Bahnhof. Gera kann mir sehr gefallen.

Mir macht Gablonz großen Spaß! Auch sonst in Europa: Madrid ziemlich weg, AC Mailand geradezu abgeschlagen: Wunderbar. Beides!

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