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Dortmund, die Lust am Ball

Der Restfußball am Mittochabend, das war Manchester City gegen Borussia Dortmund, es stand noch 0:0, als ich die zweite Halbzeit sah, und was ich sah, hat mich verzaubert. Dortmund spielte, als sei es die Heimmannschaft, gefühlte siebzig Prozent Ballbesitz. Immer waren vier bis fünf Kicker in Ballnähe, immer waren da mindestens zwei Kicker anspielbar, immer wieder gab es überraschende Einfälle, die Citizens kamen kaum an den Ball. Aber sie hatten einen schier unüberwindlichen Joe Hart im Tor stehen, und so blieb es bei dem einen Tor, das Marco Reus erzielte, als er in einen Pass der englischen Verteidigung hineinspritzte, und auch bei seinem Schuss hatte Hart noch die Hand am Ball, aber von da fiel er eben ins Netz. Auch wenn es um viel Geld, um viel Prestige und um Einzelkarrieren geht – wenn die Borussia kickt, ist Fußball immer noch ein Spiel, man könnte fast sagen, ein geistreiches Spiel, es hat Leichtigkeit und Lust, Lust an der Bewegung, an der Idee und auch am Risiko. Diese Lust hat auf der anderen Seite auch etwas Inkonsequentes, und vielleicht fiel auch deshalb nicht das 2:0, so dass Man City am Ende noch ein 1:1 schaffte, was eigentlich absurd war, aber was willst du machen, wenn der Ball in deinem Strafraum gegen deinen Arm gedroschen wird; du kannst ihn dir ja nicht abhacken! Wenn du Pech hast, kann sowas immer passieren.

Ich wünsche keinem Menschen etwas Schlechtes, und so wünsche ich mir, dass Bayerns unwürdiger Präsident dieses Spiel nicht gesehen hat. Denn wenn er es gesehen hätte, müsste es ihm sehr wehgetan haben, dieser Demonstration beizuwohnen, wie moderner, intelligenter Fußball geht. Dagegen ist das Bayern-Spiel geprägt von den Kampfmaschinen Robben und Ribery, vom Gezerre, Gehakel und Geschiebe an der Seitenlinie. Nichts zu sehen von der Dortmunder Lust und Leichtigkeit.

Fühlen wir uns bemüßigt, noch etwas zum Abschied Michael Ballacks vom aktiven Fußball zu sagen? Vorerst nicht, vorerst nur, dass der Bundestrainer wieder einmal nachgewiesen hat, dass es ihm an menschlichem Format mangelt. Er hätte den Mund halten sollen. Er hätte dem Spieler, dem er mit seiner Instinktlosigkeit und seinem Talent zur Ungleichbehandlung das Karriereende versaut hat, nicht noch eine so lasche, verlogene Lobeshymne hinterhersingen müssen. Wenn ich, als Löw, Ballack lobe, dann muss ich mich gleichzeitig kritisieren. Anders geht das gar nicht.

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