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Den Fußball hätte ich fast vergessen

Es gibt Zeiten, da man sich nicht bemüßigt fühlt, ein Wort zum Fußball zu verlieren, etwa nach einer Fußball-Europameisterschaft, einer Olympiade und am Saisonanfang, wenn die Teams sich noch finden müssen und das Geschehen konturenlos erscheint. Und wenn der FC Bayern den Mund noch voller nimmt als sonst, weil eine enttäuschende Vorsaison vergessen gemacht werden muss, wobei der DFB mit günstigen Ansetzungen hilft, wohl wissend, dass ein perfekter Start der Stimmung aufhilft. Merkwürdig berührt war ich schon, als ich beim 6:1 der Bayern gegen den VfB Stuttgart das breit lachende Gesicht von Jupp Heynckes sah (Wie sagt der Volksmund? Er lacht über alle vier Backen). So sieht das unerwartete Glück eines alten Mannes im Seniorenheim aus, wenn die ganze Familie ihn besucht und verspricht: Wir kommen jetzt jeden Monat, Opi. Meine Güte, der Trainer hat die Enttäuschungen der vergangenen Saison mannhaft weggesteckt, warum kann er es mit den Erfolgen der jetzigen nicht ebenso tun! Es sind doch alles nur Momentaufnahmen. Meine Mannschaft hat einfach exzellent gespielt (gegen Mainz) – diese Selbstgefälligkeit tut weh, aber noch nicht so sehr wie die Statements des unwürdigen Präsidenten, der die obsiegenden Dortmunder als eine Erscheinung von nur regionaler Bedeutung einschätzt – dass er sich damit als ewiger Kindskopf zeigt und abermals ein Eigentor schießt, leuchtet ihm nicht ein, denn die Bayern waren ja nicht in der Lage, dieser regionale Erscheinung das Wasser zu reichen. Und nun erst der Start in die Championsleague! Der FC Bayern besiegt das Trauma der Endspielniederlage und spielt gegen den FC Valencia „mit altem, ungebrochenen Selbstbewusstsein und neuer, weiter gewachsener spielerischer Klasse … einen überlegenen, nie gefährdeten 2:1-Sieg” heraus. Ein überlegener 2:1-Sieg, gibt’s so was? Dann müsste es ja auch eine knappe 1:6-Niederlage geben. Was das mediale Umfeld dazu liefert, kann man nur als Herrscherlob bezeichnen. Wer den FC Bayern nicht vollmundig feiert, kommt in den Knast, so hört sich das an. Ein wunderbares Bewährungsfeld für das ZDF-Team mit Bela Rethy an der Spitze. Dem fällt außer seinen Heldengesängen über Schweinsteiger, Kroos und vor allem Robben, der jetzt auch nach hinten, um Missverständnisse zu vermeiden: in der Defensive, arbeitet, nichts ein außer unablässigen Schiedsrichterbewertungen. Jeder Entscheidung gegen die Bayern ist zweifelhaft bis grob fehlerhaft. Wie vorhersehbar und langweilig ist das doch. Und der gute Oli Kahn als Experte in seiner sachlichen, unoriginellen Art hat offensichtlich einen Schreck nach seiner Nationalmannschaftskritik bekommen und passt sich der Festtagsstimmung wieder an.

Ja, unterdessen wurde auch die entzauberte Nationalmannschaft wieder aktiv, wobei das Wort aktiv hier nur eingeschränkt verwendet werden kann. Gegen Österreich sah es so aus, als spiele da eine Mannschaft ohne Trainer, ohne Plan, aber mit viel Glück. Und der Trainer, den es natürlich doch gab, fummelte wieder an seiner Nase herum. Wir haben ein Überangebot spielstarker Kicker im Mittelfeld und einen akuten Mangel in der Abwehr und im Sturm. Was machen wir daraus – die Frage ist offener als je zuvor. Und anscheinend wird sie immer offener.

Und wir armen Hansa-Rostock-Schweine? Wir armen Hansa-Rostock-Schweine haben einen neuen Trainer und mit ihm gleich den ersten Auswärtssieg errungen. Was war mit dem alten? Wolfgang Wolf ist ein grundsolider Mann. Er wurde geholt, um den Abstieg zu vermeiden, das hat er nicht geschafft. Kann man dann weiter machen? Ja, sicher. Aber das Grundsolide ist meistens auch das Uninspirierte, Festgefahrene. In seiner Ratlosigkeit hat Wolf munter durchgewechselt und damit besonders den Offensivspielern den letzten Schneid abgekauft. Nun also Marc Fascher. Der kommt von unten, Hansa Rostock ist für ihn ein Karriereschritt. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine schöpfen Hoffnung. Die von unten Kommenden sind meistens noch frisch und tatendurstig.

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