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Kinder, Kollektive, Einzelkämpfer

© Fritz-Jochen Kopka

Besser, das Kind ahmt die Erwachsenen nach als umgekehrt

„Nichts ist peinlicher als Erwachsene, die im Umgang mit Kleinkindern meinen, deren Manieren annehmen zu müssen”, schreibt Roland Reuß, Germanistikprofessor und Herausgeber von Kleist und Kafka, in der FAZ. Das finde ich auch. Dabei glauben diese Leute, sie seien unheimlich modern und demokratisch, wenn sie zum Beispiel auf Kindergeburtstagen herumschreien und spektakeln, um die Kinder, die die Sache cool und gleichmütig angehen, in Stimmung zu bringen. Die machen sich echt zum Affen, diese Erwachsenen, und versauen außerdem noch die Kinder. Reuß geht es, das ist der Hintergrund, um den Austausch zwischen den Generationen und darum, dass nicht die neue Generation mit den Leichtigkeiten ihrer Netzkultur die Ansprüche der älteren Generationen, versinnbildlicht in ihrer Buchkultur, dominiert oder dass, noch verquerer, die ältere Generation sich auf den Level der Netzkultur und der Masse ihrer Anhänger begibt, so wie eben Erwachsene die Manieren der Kleinkinder annehmen.

Dabei unterläuft es Reuß, dass er die Buchkultur glorifiziert. Und dabei das Team gegenüber dem Einzeltäter unverhältnismäßig heraushebt. So geht das: „Gerade wer weiß, wie technisch und finanziell anspruchslos es ist, einen Blog zu führen, hat ein scharfes Bewusstsein von der zusätzlichen Autorität, die den publizierten Worten durch einen Verlag zuwächst. Die Energie, die es braucht, etwas herauszuheben (das die wörtliche Bedeutung von „urheben”), teilt sich dem Herausgehobenen im innersten Kern mit. Das ist dann eben nicht mehr nur die Äußerung eines Einzelnen, sondern eine, deren Veröffentlichung eine materielle und ideelle Solidarisierung anderer bereits erfahren hat.”

Eifer, Engagement, Leidenschaft können blind machen. Wenigstens auf einem Auge. Vernimmt Reuß das Knirschen dieser Apparate nicht? Von Solidarisierung kann in Verlagen und Redaktionen häufig überhaupt nicht mehr die Rede sein, viel mehr von verkrusteten Hierarchien, von finanziellem und (un-)moralischem Druck, von Arroganz, Ahnungslosigkeit, Selbstherrlichkeit, niederträchtiger Konkurrenz, von Stümpern und Verschlimmbesserern in diesen Institutionen. Keine Ahnung, warum man die Einzelleistung denunzieren muss, die doch die Grundlage von allem ist. Und wenn die Einzelleistung als Einzelstimme im Netz an uns herantritt, können wir immerhin hoffen, dass sie authentisch ist und nicht verstümmelt wurde.

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