Startseite > Fußballfieber, Schriftverkehr > Der Fußballnomade kennt die Details

Der Fußballnomade kennt die Details

© Fritz-Jochen Kopka

Gablonz. Friede den Hütten

Jenes Wochenende war ein nahezu ideales. Freitagnachmittag nach Teplitz, wo meine Gablonzer überzeugend 4:0 gewannen. Dort hab ich ein Hotel zu 480 CZ-Kronen aufgetan, ideal gelegen zwischen Bahnhof und Stadion. Teplitz ist ja auch so eine vollkommen verheerte Stadt. Durch Kommunismus verhunzt. Unfassbare architektonische Vergewaltigungen, wo sich mehrere tragische Zeittendenzen zu einer fast vollständig gelungenen Katastrophe verflochten. Zum einen war alles Gewesene doppelt schlecht, weil a) deutsch und b) bürgerlich =  alt = böse. Und dann dieser Le Corbusier’sche kalte Vernunft-Wahn. Plattenbauten und eine Autobahntrasse mitten über die Altstadt! Wenn man bedenkt, dass Teplitz in einer Liga mit Karlsbad spielte! Unvorstellbar heute. Obwohl der Bäderbetrieb noch läuft. Auch das Seume-Denkmal haben sie stehen lassen. Und das Kaiserbad heißt wieder Kaiserbad. Insgesamt scheint es zu spät für eine wirkliche Umkehr. Was will man auch erwarten bei einer 99-prozentigen Austreibung. Die neue Bevölkerung halb hinbefohlen, halb hinverbannt. Die suchen auch 65 Jahre danach noch nach Identität. Und wundern sich innerlich, dass sie immer noch da sind, wo sie doch dachten, dass die Germanen irgendwann wiederkommen würden. Sie kamen schließlich bisher immer wieder. So erklärt sich auch dieser hässlich-provisorische Zustand.

In Brünn liegt das alles anders. Da gab’s keinen Elitenwechsel, jedenfalls keinen so gravierenden. Ich war diesmal mit dem Weltliteraturredakteur von HOST unterwegs. Holte mich am Hbf ab, und dann ging’s ins Stadion. Brünn gewann gegen Dynamo Budweis 3:1. Munteres Spiel. Allein schon den Repka zu sehen, ist eine Augenweide, der ist seit einem Jahr in Budweis. Danach ging ich mit dem Weltliteraturredakteur in das erstklassige Gasthaus U Seminaru. Kakanische Küche und ein Tafelspitz der Extraklasse zu 7 €!

Sonnabend spät noch hippe Kneipe, Sonntag Ausflug in die Pollauer Berge und nach Nikolsburg, heute Mikulov, ins südmährische Weingebiet. Sehr kakanisch.

Wohnung meines Gastgebers ideal innenstädtisch mit einer Riesenterrasse mit Spielbergblick. Großartig! In der Augustinergasse, heute Jasielka, wo schon Musil und Karel Capek wohnten …

Quälend langweilig diese National-Wochenenden! Völlig absurd, der Hype um die Nationalmannschaften. In ganz Europa Stillstand und gähnende Langeweile. Als ob das jemanden interessiert, jetzt, wo alles sich vermischt und in Auflösung begriffen ist. Aber der Pöbel braucht die Illusion, ich verstehe es ja. Und ein Spiel gegen Österreich kann ich nicht als international empfinden. Eine offensichtliche Albernheit der Geschichte. Dafür ist Königgrätz noch nicht lang genug her.

(Der Fußballnomade – siehe: Guests)

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: