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Woody Allen spielt wieder mit

© Fritz-Jochen Kopka

Der Fernsehturm macht wieder Unfug

Ist Woody Allen Egomane? Oder fällt ihm für die seltsame Gestalt, die er ist oder spielt, einfach am meisten ein? Jeder Satz, den er in „To Rome with Love” spricht, ist komisch. Ich könnte mich ausschütten, geht aber nicht, weil ich auf den nächsten Satz warte. Mag sein, dass Allen zu den Großen des Films gehört, die an sich selbst unentwegt komische Züge entdecken, während sie anderen Schauspielern mit so viel Respekt begegnen, dass das Gelächter für sie sich in Grenzen hält.

Wir wollten den Film OmU in den Hackeschen Höfen sehen, als der Kinoleiter, wie es sich gehört, zu einer zweisprachigen Ansage ansetzte. Man habe neue Projektoren, die noch nicht, aber bald, man weiß nicht genau wann, funktionieren. So fuhren wir ein Stück zurück zum Alex, wo eine orangene Hare-Krishna-Gruppe Musik machte und Geld einsammelte. An allen Ecken und Enden des Platzes angeschlagene Jugend-Grüppchen, zugedröhnte Bettelknaben und Obdachlose, die sich in die Büsche verdrückten. Im Saturn betrieben einige chinesische Kleinindustrielle Produktspionage auf niedrigem Niveau, indem sie die Toaster untersuchten und heimlich fotografierten. Ein paar Meter weiter tauchte die Dame mit den Hündchen auf, eine Russin wie bei Tschechow, es waren zwei Terrier, die aus einem Körbchen herausschauten und sich über die neuen 3-D-TV-Geräte wunderten. Das Hotelhochhaus sah aus wie eine Ruine, aber das war nur der Schatten, den der Fernsehturm auf die Fassade warf.

Das Cubix hat natürlich das Publikum, das es verdient. Die Kartenabreißer und Tresenkräfte möchten alle zum Film und versuchen, mit Faxen auf sich aufmerksam zu machen. Je dicker die Gäste sind, desto größer sind auch die Papiersäcke mit Popcorn, die sie in die Kinosäle schleppen. Das Paar neben uns hatte zum Glück nur eine Tüte, und pünktlich mit Beginn des Films stellte es das Knabbern ein.

Der Film gehört zu Woody Allens Tournee durch europäische Hauptstädte, die ihm günstige Bedingungen für seine Arbeit bieten, und das machen sie richtig, zu Allens und zu ihrem Nutzen und Vergnügen. Rom ist Volare und große Oper, ist Sightseeing und Liebe. Alle Paare bleiben trotz mannigfaltiger Irrungen und Wirrungen zusammen. Ist das  Altersweisheit bei Woody Allen? Bei seinen Einfällen scheut er sich nicht, in die Kiste fürs Grobe zu greifen, es kommt am Ende doch immer etwas Feines dabei heraus. Ob beim Bürohänfling, der plötzlich ein Medienstar ist, oder dem Bestattungsunternehmer, der unter der Dusche singt wie ein junger Gott und nicht zuletzt bei dem jungen Ehemann, der von einer Prostituierten in seinem Hotelzimmer aufgestört wird, die er in seiner Not als seine Ehefrau ausgibt, welche wiederum an der Seite eines Kinostars in eben jenem Restaurant auftaucht, wo der arme Antonio mit der Nutte und seinen reichen Verwandten tafelt und wie vom Blitz getroffen zusammenzuckt. So kann’s gehen. Im Kino wie im wahren Leben. Woody Allen ist hier ein Opernregisseur im Ruhestand, der stets und ständig an seinem Überschuss von Ideen scheiterte. Da kommt ihm der Bestatter, der nur unter der Dusche singen kann, gerade zu pass.

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