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Herr Fuss reift

Zwei Mannschaften, zwei Vereine, zwei Fahrräder – sind sich nicht grün, bekämpfen sich, stehen Rücken an Rücken

Zwei Mannschaften, zwei Vereine, zwei Fahrräder – sind sich nicht grün, bekämpfen sich, stehen Rücken an Rücken

Was für andere das Ereignis des Jahres ist – Real Madrid gegen Bayern München – , ist für mich der typische Restfußball vom Mittwochabend. Es steht schon 2:1 für Real, der Gleichstand in Hin- und Rückspiel ist hergestellt. Nach meinem Training sitze ich da in milder Stimmung mit maladen Gliedern. Bei Bier und Schnitzel. Große Chancen werden nicht mehr herausgespielt. Beide Teams müssen höllisch aufpassen, ein Gegentor, das jetzt fällt, kann das Ende sein, für Real auf Grund der Auswärtstorregel mit ziemlicher Sicherheit. Jede der beiden Mannschaften hat die Endspielteilnahme verdient, stelle ich fest, sie sind auf Augenhöhe. Ebenfalls stelle ich fest, dass die Stimme von Herrn Fuss, dem Reporter, sich nicht modrig anhört wie gewöhnlich und dass er sich verbal zügelt. Das war ja meine Hoffnung, dass er sich gut gemeinten Ratschlägen gegenüber nicht verschließt. 2:1. Es bleibt dabei. Verlängerung. Ich habe das Gefühl, dass Real Madrid etwas mehr tun müsste, was heißt etwas mehr, nein, alles geben müsste. Passiert aber nicht. Man täuscht sich kaum, wenn man das Gefühl hat, dass die Spanier, wenige Wochen vor der EM, müde sind. Özil ist ausgewechselt worden. Bei ihm kann man immer auf einen Geistesblitz hoffen, auf der anderen Seite ist er mir zu apathisch. Kaka ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Bei den Bayern gefällt mir Alaba über die Maßen, der schwarze Wiener, wie Phönix aus der Asche aufgestiegen mit neunzehn Jahren. Elfmeterschießen. Das Ende ist bekannt. Neuer hält zwei Elfer, und zwar gleich die ersten beiden, Casillas hält ebenfalls zwei. Alles wieder offen.  Aber dann kommt Sergio Ramos und semmelt den Ball weit übers Tor.

Ich würde mich jetzt ohne weiteres mit den Bayern über den realisierten Endspieltraum im eigenen Stadion freuen, wie ich auch nicht schadenfroh gewesen wäre, wenn sie das Endspiel verfehlt hätten. Wenn ich nicht fürchten müsste, dass der Präsident bei nächster Gelegenheit seine Allmachtsphantasien nicht auslebt, aber eben doch ausdrückt. Der Herr Hoeneß. Und dabei verächtlich auf den Rest von Fußballdeutschland herabblickt. Die anderen Vereine müssten sich ein Fernrohr besorgen, um die Bayern auf ihrem Olymp überhaupt sehen zu können, da können die Borussias die Bayern so oft besiegen, wie sie wollen. Fuss reift, Hoeneß nicht. Ja, das ist der Grund, warum ich unterbewusst den Bayern den Sieg des öfteren nicht gönne. Ich habe Angst vor diesen Tiraden, dem Triumphgeheul, diesen primitiven Trompetenstößen. Sie gehen mir auf die Nerven. Der FC Bayern ist das Paradies auf Erden. Wer dort eingelassen worden ist, lebt für alle Zeit auf der Sonnenseite. Die einen huldigen der Devise, dass Not erfinderisch mache. Aber beim Spitzenfußball scheint es so zu sein, dass Luxus locker und frei macht. Das ist doch langweilig, Mensch.

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