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Drei Chinesen

Mein Schläger ist immerhin schon mal aus Singapur, also fast ein Chinese

Mein Schläger ist immerhin schon mal aus Singapur, also fast ein Chinese

Die Chinesen haben die besseren Körper für diesen Sport, ich meine Tischtennis. Auch wenn sie wirken wie fipslige Jungs oder dickliche Bäckerburschen – sie sind so schnell, sie schlagen so hart, die Hand ist wie verwachsen mit dem Schläger, die Reaktionszeit: hundertstel Sekunden. Dennoch stehen sie zwischen Baum und Borke. Es ist schon eine Schmach für einen ihren Spieler, einen Satz abzugeben, eine Katastrophe, ein ganzes Spiel zu verlieren. Wenn ich mich nicht irre, haben sie alle Spiele dieser Mannschaftsweltmeisterschaft in Dortmund 3:0 gewonnen. Auf der anderen Seite kann es ihnen nicht recht sein, dass ihre Dominanz im Welt-Tischtennis ihren Sport mit Monotonie einnebelt und einen größeren Publikumszulauf verhindert. Mir fällt keine andere Sportart ein, wo eine so umfassende Überlegenheit eines Landes gegeben ist. Hatte Deutschland im Endspiel eine Chance vor heimischem Publikum? In der Feinmotorik des Tischtennis kann viel geschehen. Wenn du den ersten Satz des ersten Spiels gewinnst, indem du über dich hinauswächst und eine Menge Glück hast, dann könnte es vielleicht geschehen, dass die Chinesen nervös werden. Timo Boll, des beste Nichtchinese im Tischtennis, hatte die Chance, den ersten Satz nach Hause zu bringen, es ging in die Verlängerung, aber da machte Zhang Jike, der Weltmeister, den Satz zu. Immerhin gewann Boll Satz drei und vier, diese Schmach musste der Chinese ertragen, aber im entscheidenden fünften Satz lag Boll zu schnell weit hinten, da konnte ihn eine gute Phase nicht mehr retten. Auch Dmitri Ovtcharov (gegen Ma Long) hatte seine Chancen, und Patrick Baum gewann einen Satz gegen Wang Hao. Sie kämpften in aussichtsloser Lage wie die Löwen, aber am Ende stand doch das glatte 3:0 der Chinesen. In mancher Phase des Spiels scheinen sie sich in einer Art Wachtraum zu befinden, alles geht wie automatisch, dann sind sie plötzlich hellwach und krachende Winnerschläge werden für sie zu Vorlagen, die sie mit unvorstellbarer Schnelligkeit und Härte kontern. Jeder Ballwechsel entwickelt seinen Sog. Wenn es dir gelingt, aus diesem Sog auszubrechen und die Richtung des Balls zu ändern, dann hast du noch eine Chance. Vielleicht. Vielleicht ist auch das eine Illusion.

Wenn sie auch für diesen Sport besonders begabt sind, gehen sie doch durch eine harte Schule. Kein Europäer, sagt man, würde ein solches Trainingspensum ertragen. Ein hartes Regiment herrscht in den Eliteschulen und Vereinen. Die Spieler dürfen sich erst mit 25 Jahren verlieben. Wen es vorher erwischt, nun, der fliegt eben raus. Talente sind genug da. Die ganze Welt ist übersät mit chinesischen Talenten, die es in ihrem Land nicht bis in die erste Reihe geschafft haben. Sie werden eingebürgert und sind in ihrer neuen Heimat immer noch die Besten. Man schaut in diese fremden Gesichter und entdeckt keine Regung. Wie sie aussehen, wenn sie unterliegen, werden wir nie erfahren.

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